Leben mit Parkinson
 Lebt jeden Tag  als wäre es der Letzte
 

Der Weihnachtsmann kommt

   

Annika ist siebeneinhalb Jahre und Christoph sechs Jahre. Beide sind Lause Kinder, wie sie im Buche stehen. Beide  haben immer den Schalk im Nacken. Sie sind lebhaft und vorlaut, wie Kinder in dem Alter nun einmal sind.  Ihnen fallen immer neue Streiche ein.

Die Zimmer der Beiden sehen aus, als wäre da eine Bombe eingeschlagen. Legosteine liegen auf dem Fußboden verstreut. Dazwischen liegen Autos und Puppen und anderes Spielzeug.

Das schönste Chaos.

Mama hat nun genug von der Unordnung und spricht ein Machtwort. "Geht und räumt eure Zimmer auf!"

Die zwei Racker halten Spielen und Rumtoben für interessanter und so kommt es, daß ihre Zimmer immernoch chaotisch aussehen.

Als Mama kommt und immer noch ein Schlachtfeld sieht, sagt sie: "Wenn ihr eure Zimmer nicht aufräumt und weiter solch einen Unsinn macht, bringt der Weihnachtsmann keine Geschenke!"

Unbeeindruckt von dieser Drohung sagt die kleine vorlaute Göre: "Wieso Mami, letztes Jahr waren wir auch nicht artig und trotzdem haben wir Geschenke bekommen."

Nun dieses Jahr sollte es anders werden dachte die Mutter. Dieses Jahr kommt der Weihnachtsmann persönlich. Doch das wissen die Zwei nur noch nicht.

Mit einem Sack voller Geschenke und dem allwissenden goldenen Buch unter dem Arm klopfte der Weihnachtsmann am Heiligabend vernehmlich an die Tür. Nichts ahnend öffnete Annika mit strahlenden, lebhaften  Augen die Tür.

Fröhlich rief sie: "Mami, der Weihnachtsmann." Auf dem Absatz machte sie kehrt, lief ein paar Schritte. Dann begriff sie es erst. Stocksteif blieb sie stehen. Ganz langsam, wie in Zeitlupe, drehte sie sich um. Im Gesicht war sie blaß geworden. Erstaunt sagte sie: "Der Weihnachtsmann." Schnell wie der Blitz drehte sie sich herum und weg war sie. Im Wohnzimmer hatte sie sich verkrochen. Wie erstarrt saß en die beiden Lause Kinder auf der hintersten Ecke der Couch. Christoph sieht ihn erst jetzt, nachdem er das Wohnzimmer betreten hatte. Er hatte bis dahin im Wohnzimmer auf dem Boden gespielt. Sein Gesicht wird grau. Seine Augen bekommen einen gehetzten Ausdruck. Kaum hörbar sagte er: " Der Weihnachtsmann", springt auf und verkriecht sich neben seine Schwester auf dem hinteren Ende der Couch. Mit Augen groß wie Spiegeleier starrte er den Weihnachtsmann an.

"Naa, ihr Zwei, ward ihr auch immer artig?" fragte er mit der Rute in der Hand. Hilfe suchend blickten beide Mama und Papa an und hauchten im Chor: "Jaa."

Mama bot dem alten Mann einen Stuhl an und der Mann mit dem weißen Rauschebart setzte sich unter stöhnen und ächzen.

Nun holte er das goldene Buch hervor. "Dann wollen wir einmal sehen, ob das auch stimmt. Ihr wißt ja: das goldene Buch weißt alles." Die Bedeutung des Buches ist den Beiden ein Begriff. Ihnen fielen fast die Augen aus dem Kopf, als sie es sahen.

Ihre Gedanken konnte man von ihren Gesichtern ablesen.

Annika, die Ältere, bat er als erstes  zu sich. Widerwillig und ganz langsam, fast wie in Trance, kam sie mit zitternden Beinen zu näher. Schuldbewusst und mit hängendem Kopf stand sie nun vor ihm.

So artig, wie sie eben vorgab, war sie eigentlich nicht, das wußte sie.

Nun las er ihr die  Sünden vor. Solche Sachen konnte der Weihnachtmann  nicht durch gehen lassen. Sie mußte sich umdrehen und bücken. Die Überwindung sich umzudrehen und zu bücken, mit dem Wissen was jetzt kommt spiegelte sich in ihrem Gesicht wieder. Nun nimmt er die Rute zur Hand und sie bekommt einen kleinen Klaps auf den Hintern. Der Bruder sieht es mit einem Anflug von Schadenfreude. Ganz bitterlich fing sie an zu weinen und versprach sich zu bessern.

Aber in dem Buch stehen nicht nur negative Sachen.

So zum Beispiel steht darin, daß sie gut lesen kann. Als  ihr der Weihnachtsmann das sagte, wurde sie schon wieder etwas ruhiger und Stolz zeigte sich in ihren Augen.

"Der Weihnachtsmann ist ja gar nicht so böse. Den Klaps mit der Rute habe ich ja verdient," sagte sie und sah sich nach Mama um.

"Meine fleißigen Engel und Feen haben auch gesehen und gehört, daß du sehr gut Querflöte spielen kannst. Spielst du mir etwas vor?"

Jetzt veränderte sich das Mädchen schlagartig. Selbstsicher geht sie nun zum Wohnzimmerschrank und holte ihr Instrument hervor und spielte Fehlerfrei "Oh Tannenbaum." Als sie fertig war ließen Stolz und Freude ihr Gesicht erstrahlen.

Nun bittet er Christoph zu sich. Er saß immer noch stocksteif auf der Couch. Seine Augen stierten mich an. - Der Weihnachtsmann haut ja mit der Rute. Annika hat er ja auch gehaun.- Seine Hände zitterten. Sein Gesicht war aschfahl. geworden und rührte sich nicht. Noch einmal bittet er ihn zu sich. Er hörte es nicht. Der Junge war wie gelähmt. Ein Junge, dem sonst nichts erschüttern kann, hatte auf einmal große Angst.

-Meine Schwester hat was mit der Rute gekriegt. Was macht er wohl mit mir? -

Ein wahrer Held.

Der alte Mann schlägt das Buch zu und frage ihn: "Gehst du eigentlich gern in den Kindergarten?" Nun löst sich die Spannung doch etwas, doch er traut ihm immer noch nicht.

Schüchtern sagte er leise: "Ja."

Meine Engel haben dich trommeln gehört. Du trommelst schon wie ein Großer." In seinen Augen blitzte Interesse und Neugierde auf.. In seinem Gesicht stand geschrieben - Woher weißt der das alles?

Diese Neugierde nutzte der Weihnachtsmann.

"Ich kann dir auch sagen, wo du so gut trommeln gelernt hast."

"Ja? Wo denn?"  - Ob er das wirklich weißt? -liest er in seinen Augen.

"Im Spielmann und Fanfarenzug", sagt der Mann im roten Mantel schlicht.

Nun platzt die Spannung und Aufregung wie eine Seifenblase.

"Aber Papa kann das auch", begann er zu erzählen.

Nun begann er Mann mit dem großen Sack die Geschenke zu verteilen. Alle Scheu war verflogen.

Der Weihnachtsmann verabschiedete sich und höre die Beiden im Chor sagen: "Komm nächstes Jahr wieder, lieber Weihnachtsmann!"